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N° 21  

Mode Aus der aktuellen Kollektion von Shootingstar Julia Starp
06.10.2011

Grüne Catwalks.

Eine der grössten und lebendigsten Branchen der Welt war lange Zeit eine der trägsten, wenn es um Nachhaltigkeit ging: Das Mode-Business. Nur kleine Labels hatten konsequent grüne Strategien verfolgt. Dafür in einer beeindruckenden Vielfalt. Allmählich erreicht Eco Fashion aber auch die grossen Modeketten und die prominenten Laufstege dieser Welt. (Stefan Ganz)

Sie bilden ein Paar, das ohne einander nicht kann, sich aber gegenseitig auch ausgeschlossen hat: Mode, die Welt des Scheins, und Grün, die Welt des Seins. Zwar hat es lange gedauert, bis die zwei sich vertragen. Aber dass es jetzt passiert, ist ein starkes Zeichen: Wenn grün das Oberflächliche schlechthin erobert, hat es die Welt erobert.

Angefangen hat der grüne Trend wie in allen Branchen mit den Kleinen. Das Angebot an jungen Labels mit grüner Mode hat mittlerweile eine enorme Bandbreite erreicht. Nur eine kleine, internationale Auswahl von jungen Designern, die an der Berliner Fashion Week auf ihre Eco Fashion aufmerksam gemacht haben: Asandri aus der Schweiz, Julia Starp aus Deutschland und Knowledge Cotton aus Dänemark. Und hier die Trends aus New York.

Viele dieser innovativen Kleinfirmen produzieren aber nur für Wenige: Aficionados, Individualisten und Gutbetuchte. Die grossen Massen erreichen sie nicht. Doch dank ihrem Drive bewegen sich jetzt auch die Grossen. Immer mehr grosse Modehäuser und Ladenketten nehmen Umweltschutz endlich ernst. Ein Grund dafür war sicher, dass die Kleinen insbesondere bei jungen, urbanen Kunden erfolgreich waren – einem kaufkräftigen Segment, in dem sich Modehäuser prototypisch meist auch selbst ansiedeln.

Zwar wird auf den wichtigen Laufstegen dieser Welt immer noch erschreckend wenig nachhaltig produzierte Kleidung gezeigt. Stella McCartney ist eine der grossen Ausnahmes. Denn sie ist eine der Wenigen, die ihre Mode auf den grössten Shows zeigen kann, damit die Vogue überzeugt und gleichzeitig ökologisch designt und handelt. Mehr über ihr Engagement in diesem Interview.

Zwar ist auch Stella McCartney noch nicht 100% grün. Aber sie macht, was machbar ist. Im Luxussegment ist das gar nicht so einfach, stellt doch Umweltschutz eine zusätzliche Herausforderung dar. "Wie bleibe ich luxuriös, ohne Pelz und Leder zu verwenden?" ist nur ein Problem, das sich stellt.

Noch mehr Verantwortung als die Firmen der Haute Couture haben Hersteller wie Zara und H&M. Sie erreichen die grossen Massen. Mit ihnen steht oder fällt die Umweltverträglichkeit unserer Kleider. Schön, dass sich die Riesen allmählich regen: Zara will besser werden und baut energiesparende Läden, Levi's will besser werden und lancierte die Waterless Jeans , Walmart ist mittlerweile der grösste Käufer von Bio-Baumwolle und H&M will jetzt auch auf Chemikalien verzichten, nachdem ihre Conscious Collection schon ein grosser Erfolg war.

Aus Schweizer Sicht interessant: Auf der Liste der weltweit grössten Käufer von Bio-Baumwolle ist an siebenter Stelle auch Coop mit Naturaline. Gemessen am kleine Schweizer Markt ist das eine extrem beeindruckende Leistung. Ohnehin ist Naturaline eine ähnliche Erfolgsgeschichte wie Naturaplan. Hier mehr über die fair hergestellten Textilien aus biologisch produzierter Baumwolle.

Dass die meisten der anderen Grossen (also z.B. Zara und H&M) erst auf Druck der Öffentlichkeit reagieren, ist wohl etwas, woran wir uns gewöhnen müssen. Aber ein erfreulicher Fakt bleibt: Die Nachfrage nach Bio-Baumwolle ist seit längerem stark wachsend. Und Öko-Labels wie GOTS (Global Organic Textile Standard) gewinnen zunehmend an Bedeutung. Die Probleme sind freilich noch lange nicht gelöst. Insbesondere in Sachen Fair Trade hinkt der Grossteil der Mode-Branche noch hinterher.

Wie schnell die Mode nachhaltig wird und unsere Kleider grün, ist hauptsächlich davon abhängig, wieviel Druck die jungen grünen Labels und die jungen grünen Kunden auf die grossen Marken ausüben können. In den Einkaufsstrassen dieser Welt ist die Konkurrenz hart und – vor allem – sie funktioniert über das Aussehen. Natürlich spielt das Gewissen eine immer grössere Rolle, auch beim Kauf von Mode. Aber am Schluss entscheidet eben doch noch die Schönheit der Kleider.

Passt die Jeans? Sieht das Kleid gut aus an mir? Verkauft mir die Marke das gute Gefühl, das ich will?

Grüne Modehäuser wie kleine Ökolabels - oder auch etwa Hessnatur - müssen sich mit den Esprits und Mangos dieser Welt messen. Das deutsche Traditionshaus hat sich unterdessen zwar des Jute-Images entledigt und verheissungsvolle Designer engagiert. Aber zu einem wirklich konkurrenzfähigen Fashion-Markenerlebnis ist es noch ein weiter Weg und viel Arbeit. Das ist jedenfalls mein Eindruck, wenn ich auf ihre Webseite gehe. (Bei Hess Natur besonders interessant: Der aktuell tobende Kampf um Finanzen bzw. Eigentümer. Hier ein kleiner Einblick.)

Bis jetzt massen sich Hersteller von Bio-Mode vor allem mit ihresgleichen. Sie bewegten sich in ihrer eigenen Welt. Nun sollten sie ihren Auftritt auf das Parkett der Grossen verlegen und ihnen tüchtig einheizen. Schliesslich sind sie für den wachsenden grünen Markt perfekt gerüstet. Die bekannten Powerbrands können zwar gerade in der Haute Couture noch vom alten Glanz zehren. Aber Polieren allein reicht auf Dauer nicht.

Eines scheint mir klar. Wenn die jungen grünen Labels und die alten grünen Labels den Etablierten Konkurrenz machen, gewinnt vor allem jemand: Die Umwelt. Auch wenn der Weg noch weit ist, nur noch Schein geht nicht mehr.

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